NICHT VERZEIHEN KÖNNEN – Woran liegt es bei mir?

Groll ist wie Schlangengift, das weiterhin durch deinen Körper fließt und deine Gesundheit schädigt, lange nach dem Biss der Schlange. Es ist nicht der Biss der Schlange, der tödlich ist. Es ist das Gift, das in deinen Adern zirkuliert.  – Wayne Dyer

 

Nicht verzeihen können

... liegt nicht an der Härte oder Schmerzhaftigkeit des Vorfalls.

Nicht das, was einem angetan wurde, ist das Problem.

Das Problem ist, nicht zu wissen, wie man richtig damit umgeht.

Kann man nicht verzeihen, dann

Möglichkeit A: … unterliegt man einem Denkfehler

Möglichkeit B: … ist Verzeihen ist nicht der richtige nächste Schritt

Nicht verzeihen können - Denkfehler oder falscher nächster Schritt?

Finde es heraus.

Nachfolgend findest du 8 klassische Denkfehler.

Mit diesen 8 Irrtümern durfte ich auf meinem Selbsthilfeweg persönlich Bekanntschaft machen.

Ist dir mit keinem der Denkfehler geholfen, gibt es am Ende des Artikels eine Alternative, die dir die Hintertür öffnet.

Sei gespannt!  🙂

Nicht verzeihen können / Denkfehler #1

Denkfehler 1: Verzeihen tut man anderen zuliebe

Verzeihen bedeutet nicht, etwas für andere zu tun,
... sondern etwas für sich selbst.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass negative Gefühlszustände wie zum Beispiel Groll, Ärger und Wut nicht nur Auswirkungen auf das seelische Wohlbefinden hat.

Auch die körperliche Gesundheit leidet darunter.

Wenn du gegen jemanden, der dich in der Vergangenheit verletzt oder ungerecht behandelt hat, Groll hegst, dann schadest du dir selbst.

Und zwar solange, wie du an deinem Ärger festhältst.

Man sitzt in der "Affenfalle".

Die Affenfalle

Die Affenfalle (The Monkey-Trap), die in vielen Ländern der Welt noch heute verwendet wird, verdeutlicht das Prinzip anschaulich.

In Afrika graben die Affenjäger ein Loch in einen Termitenbau, das gerade so groß ist, dass der Affe seine Hand mit ausgestreckten Fingern hineinstecken kann.

Am Ende des Locheingangs verbreitert sich das Loch. Dort legen die Jäger Obst oder irgend etwas hinein, was lecker riecht und dem Affen schmeckt.

Das Loch ist groß genug, um seine Affenhand hineinzustecken kann, aber zu klein, um die geschlossene Faust mit der Beute wieder herauszuziehen.

Weil der Affe, nicht versteht, dass er seine Beute loslassen muss, um sich befreien zu können, ist er in der Falle gefangen.

Was kann man von der Affenfalle lernen?

Nur wenn man seinen Groll los lässt, kann man sich befreien.

Damit hilft man sich selbst – und nicht dem „Fallensteller.“

 

Nicht verzeihen können / Denkefehler #2

Denkfehler 2: Man entschuldigt Vergangenes

Verzeihen bedeutet nicht, Vergangenes zu entschuldigen,
... sondern die Opferrolle abzulegen.

Solange man grollt und sich weigert Vergangenes zu verzeihen, gibt man anderen die Schuld an seiner aktuellen Verfassung oder Lebenssituation.

Damit steckt man sich selbst in die Opferrolle und gibt die Macht, sein Leben und sein Lebensgefühl selbst zu steuern, an andere ab.

Man denkt oder sagt Dinge wie:

•  Wenn man mir XYZ nicht angetan hätte, ginge es mir heute besser
•  Wenn mir XYZ nicht widerfahren wäre, wäre ich heute in einer anderen Situation
•  Der Übeltäter läuft frei herum und vergnügt sich und ich leide so schrecklich an den Folgen

Dadurch ist man so sehr mit seiner Empörung und seinem Schmerz über die erlebte Ungerechtigkeit oder das erlebte Leid beschäftigt, dass man keinen Kopf für neue Gedanken hat.

Wenn man sich dazu entscheidet zu vergeben, heißt das nicht, dass man Geschehenes entschuldigt. Es heißt, dass man die Opferrolle ablegt und anderen Menschen nicht länger dir Macht darüber gibt, wie man sich fühlt.

Ab sofort übernimmt man Selbstverantwortung für seine Verfassung und schafft sich dadurch neue Handlungsmöglichkeiten.

 

Nicht verzeihen können / Denkfehler #3

Denkfehler 3: Man muss wieder freundschaftliche Kontakte pflegen

Verzeihen bedeutet nicht, danach regelmäßige Kontakte zu pflegen oder dicke Freunde zu werden
... sondern von nun an die freie Wahl zu haben.

Ein weiteres Hindernis auf dem Weg in die seelische Freiheit, ist die Annahme, nach dem Verzeihen eine freundschaftliche Beziehung mit dem (den) Menschen, der (die) einem weh getan hat (haben), führen zu müssen.

Dem ist nicht so.

Verzeihen fällt leichter, wenn man sich bewusst macht, dass Vergebung nicht die Verpflichtung zum Wiedersehen, zur Kontaktpflege oder gar zu einem freundschaftlichen Umgang mit sich bringt.

Verzeihen bedeutet, sich selbst die Erlaubnis zu geben, Altes loszulassen, sich endgültig davon zu entfernen und nach vorne zu blicken.

Wenn man vergibt, hat man die freie Wahl, welche Form von Beziehung oder Nicht-Beziehung man sich wünscht.

Solange man am Groll festhält, ist man in Gedanken an seine Peiniger gefesselt.

Verzeihen öffnet dir die Tür, überhaupt nicht mehr oder nicht mehr im Groll an eine andere Person zu denken.

 

Nicht verzeihen können / Irrtum #4

Denkfehler 4: Man lässt Unrecht siegen

Verzeihen bedeutet nicht, klein beizugeben und Unrecht siegen zu lassen
... sondern seinen Seelenfrieden zu finden.

Wer nicht loslassen und nicht verzeihen kann, lebt häufig mit der Vorstellungen: „Es geht um Gerechtigkeit. Unrecht muss bestraft werden.“

Erinnern wir uns nochmal an das Zitat:

"Es ist nicht der Biss der Schlange, der tödlich ist, sondern das Gift das in den Adern zirkuliert.“  - Wayne Dyer

Das Gift sind unsere Gedanken über die Situation.

Nicht die Untaten aus der Vergangenheit.

Wenn man sich entscheidet zu verzeihen, gibt man nicht klein bei und lässt Unrecht siegen.

Man lässt seinen Seelenfrieden und seine Gesundheit siegen, indem man nicht länger giftige Gedanken durch seinen Organismus jagt.

Man lässt Liebe über Hass siegen, weil man aufhört nach Vergeltung zu trachten.

 

Nicht verzeihen können / Irrtum #5

Denkfehler 5: Der andere hat in böser Absicht gehandelt

Verzeihen heißt,
… die größeren Zusammenhänge zu erkennen.

Beschäftigt sich ein neutraler Dritter mit der Sichtweise von Opfer und Täter, wird meist deutlich, dass die Peiniger aufgrund ihrer eigenen dysfunktionalen Denkprogramme und unverheilten emotionalen Verletzungen nicht anders handeln konnten.

Oder versucht haben - aus ihrer Sicht - das Bestmögliche zu tun und sich selbst als Leidtragenden sehen.

Betrachtet man zum Beispiel die Vergangenheit von Eltern, die ihre Kinder schlagen, sie vernachlässigen oder emotional misshandeln, kommt zum fast immer zum Vorschein, dass unverarbeitete traumatische Erlebnisse aus der eigenen Kindheit wiederholt oder kompensiert werden.

 

Opfer kreieren Opfer.

Kein Baby kommt böse zur Welt. Es ist die Behandlung durch das Umfeld in frühster Kindheit, die einen Menschen formt.

Insofern muss man sich mit der Frage beschäftigen, ob man die Verursacher wirklich schuldig sprechen kann und will.

 

Nicht verzeihen können / Irrtum #6

Denkfehler 6: Es gibt perfekte Menschen

Verzeihen heißt,
... sich selbst und anderen das Recht auf Fehler einzugestehen.

Wer anderen keine Fehler zugesteht, gesteht meist auch sich selbst keine Fehler zu.

Verzeihen heißt, sich selbst und andere aus der Forderung zu erlassen, perfekt sein zu müssen.

Dass Fehlermachen Teil eines jeden Lernprozesses ist und wir lebenslang Neues lernen, ist hinlänglich bekannt.

Wie soll es folglich menschenmöglich sein, keine Fehler zu machen?

Danach zu Streben im Leben keine Fehler zu machen, ist ungefähr so, als würde man sich darum bemühen, beim Sprung ins Wasser nicht nass zu werden.

Beim genauen Hinsehen hat man es selbst mit einem dysfunktionalen Glaubenssatz zu tun, der einem aus dem Unterbewusstsein zuflüstert man könnte und müsste perfekt sein, weil man sich innerlich nicht liebenswert fühlt.

Mit dem Akt anderen zu verzeihen und ihnen damit ihre "Nicht-Perfektion" und Menschlichkeit zuzugestehen, befreit man sich selbst von dem unerreichbaren Anspruch perfekt sein zu müssen.

Puuuh ... wenn das allein nicht schon Grund genug ist zu verzeihen, was das Zeug hält?!

 

Nicht verzeihen können / Irrtum #7

Denkfehler 7: Der andere muss mich erst um Verzeihung bitten

Verzeihen können erfordert keine Vorbedingungen,
… sondern nur den eigenen Entschluss.

Hast du dich selbst mal sagen hören:

• Der andere ist mir die Bitte um Verzeihung schuldig!
Oder
• Ich kann erst vergeben, wenn man mich auch tatsächlich um Verzeihung bittet.

Dann lege jetzt einen Moment deine Hand aufs Herz und frage dich, was genau sich in deinem Leben verändern würde, wenn du die Bitte um Entschuldigung mündlich oder schriftlich bekämest?

Was wäre anders?

Halt erst überlegen. 🙂

Lies noch nicht weiter.

… grübel
… grübel

Und?

Nichts.

Nichts wäre anders.

Beim Heilen deiner Schmerzen kann dir niemand helfen, außer du selbst. Was der Prozess der Heilung zwingend braucht, ist dein Wunsch, deine Entschlossenheit und dein Zutun.

Was nicht erforderlich ist, ist eine Bitte um Verzeihung.

 

Nicht verzeihen können / Irrtum #8

Denkfehler 8: Man verzeiht den anderen

Verzeihen ist kein Akt der Gnade,
... sondern ein Akt der Selbstliebe.

Irrtum 8 ist ein spannender Fall.

Denn Verzeihen beginnt immer bei sich selbst.

Was sich ebenfalls als eine Hürde beim Verzeihen und Loslassen von altem Groll gegen Personen, die eine einem in der Vergangenheit unrecht getan haben, erweist, ist folgende Befürchtung:

„Wenn ich verzeihe, spreche ich den anderen von Schuld frei und dann fällt die Schuld womöglich zurück auf mich. Denn irgend jemand muss ja für das entstandene Leid verantwortlich sein.“

Konkret bedeutet dies, man tauscht Wut gegen Schuldgefühle ein. Unbewusst bleibt man lieber bei seinem Groll.

Aus gutem Grund. Die Emotionen Zorn und Groll sind leichter zu ertragen, als nagende Schuldgefühle.

Deshalb:

Verzeihen bedeutet zu allererst sich selbst zu verzeihen.

Und zwar alles. A.L.L.E.S. Rigoros. Tutti kompletti.

Wir alle sind nur Menschen.

Menschen, die Fehler machen.

 

Zusammenfassung

Fassen wir noch einmal die 8 wichtigsten Erkenntnisse zusammen, die verzeihen schwer machen und die es daher aus dem Kopf zu räumen gilt:

Irrtum #1 : Verzeihen tut man anderen zuliebe
… tatsächlich tut man es für sich selbst

Irrtum #2: Man entschuldigt Vergangenes
… tatsächlich legt man dir Opferrolle ab

Irrtum #3: Man muss wieder freundschaftliche Kontakte pflegen
… tatsächlich hat man erstmals die Wahl

Irrtum #4: Man lässt Unrecht siegen
… tatsächlich lässt man seinen Seelenfrieden siegen

Irrtum #5: Der andere hat in böser Absicht gehandelt
…. tatsächlich weiß man das nicht

Irrtum #6: Es gibt perfekte Menschen
… tatsächlich nimmt man sich die Last von den Schultern keine Fehler machen zu dürfen

Irrtum #7: Der andere muss mich erst um Verzeihung bitten
... tatsächlich erfordet verzeihen keine Vorbedingungen

Irrtum #8: Man verzeiht den anderen
… tatsächlich beginnt verzeihen bei sich selbst

Fazit

Alles, was dazu führt, dass DU (!!) dich besser fühlst, führt dazu, dass deine Beziehungen besser werden.

Glückliche Menschen sind angenehmere Zeitgenossen als brummelige, die an altem Groll festhalten.

Man ist einfach gerne mit ihnen zusammen.  🙂

Geht es dir nicht auch so?

Na dann??!!

Lasse los und werde die glücklichste Version von dir selbst, die es je gab.

…  und du wirst keinen Tag mehr in deinem Leben einsam sein.

 

Du hast weiterhin innere Widerstände zu verzeihen?

Ging mir genauso.  🙂

Dann ist Verzeihen nicht der richtige Schritt

In dem Fall hat man es mit altem seelischen Ballast zu tun, der noch unaufgelöst ist.

Dein Höheres Ich ist klug genug, dich am Verzeihen zu hindern, damit du dich um die Altlasten kümmern und entsorgen kannst.

Zu Altlasten gehören so Dinge wie blockierte Emotionen, unverheilte Traumata, selbstlimitierende Glaubenssätze oder  negative Denkprogramme.

Der Mist löst sich nicht von selbst auf.

Ignoriert man diese Themen, stehen sie felsenfest zwischen dir und deinem Wunschleben (samt Wunschbeziehungen) wie einst die Berliner Mauer zwischen Ost- und Westberlin.

Aber jetzt probiere es erstmal mit verzeihen!

Sollte es nicht klappen, dann hilft dir der Kurs „Nie mehr einsam“.

Deine Kris


Wer hier schreibt

Hallo, schön dass du da bist!

Mein Name ist Kris Wiegand,  Gründerin von Selbsthilfe Einsamkeit.

Ich unterstütze Menschen dabei, die Ursachen für Einsamkeit zu erkennen und den Zugang zu harmonischen Beziehungen finden.

Warum?

Weil ich es für eine sinnvolle Tätigkeit halte, meine Erfahrungen und Erkenntnisse anderen zur Verfügung zu stellen und so dazu beizutragen, dass andere Menschen sich besser fühlen.

Je mehr glückliche Menschen es gibt, umso schöner wird das Zusammenleben auf Planet Erde.  🙂